Das dritte Watzmannkind

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Wandern

Eine Woche Urlaub! Eine passende Flugreise gab es für diesen Zeitraum leider nicht, aber ein Urlaub zu Hause ist doch auch super. Zeit um einige langersehnte Wanderträume zu erfüllen. Das Ziel des Tages: das dritte Watzmannkind. Keine Tour, die man mal eben so unternimmt. Die Vorbereitungen sind allerdings schnell getroffen und schon ist es fünf Uhr morgens und Zeit zum Aufstehen.

Startpunkt ist der Parkplatz „Hammerstiel“ in Schönau am Königssee (760 m). Von dort aus geht es im Dunklen los in Richtung Schappachboden/Watzmannhaus. In diesem Abschnitt folgt der Weg einer breiten Forststraße mitten durch den Wald, bis nach ca. 45 Minuten die Abzweigung hoch zum Watzmannhaus bzw. hinunter nach Ramsau erreicht wird (ca. 980 m). Wir folgen dem Weg weiter zur Schappachalm, der nach den ersten paar Höhenmetern vom Parkplatz wieder ein Stückchen eben verläuft. Bei den Schappachalmen angekommen geht die Sonne langsam auf, doch der Watzmann über uns liegt schon längst in der rötlichen Morgensonne. Nach einer kurzen Trinkpause wandern wir noch ca. eine Viertelstunde weiter zur sogenannten „Benzinkurve“ (ca. 1200 m). An dieser markanten Linkskurve stellt sich nun die Frage, ob wir der Forststraße weiter folgen und das dritte Kind über die Kührointalmen und den Falzsteig angehen, oder ob wir direkt an der Benzinkurve den Wald queren und direkt auf den Falzsteig gelangen. Vorteil des Weges über die Kührointalm: es ist ein markierter und ausgebauter Wanderweg.

Wir entscheiden uns für den kürzeren Weg, da wir im Watzmannkar, sowieso ohne Wegmarkierungen unterwegs sein werden. Jetzt geht es steiler bergan durch einen Mischwald, der immer wieder von der Sonne durchdrungen wird. Nach ungefähr 45 Minuten auf dem anstrengenden und teils rutschigen Waldpfad (es hatte einen Tag zuvor geregnet) gelangt man auf den Falzsteig, der von der Kührointalm zur Falzalm und dann weiter zum Watzmannhaus führt. Wir folgen dem Weg ein kurzes Stück in Richtung Watzmannhaus, bis wir zu einer Abzweigung kommen, welche nach links ins Watzmannkar führt (1465 m). Wenn man sich nicht sicher ist, ob man richtig ist, kann man dem Falzsteig auch bis zu ein paar Brunnen (Holzbrunnen) folgen und dort ins Kar abzweigen. Beide Wege stoßen weiter oben wieder zusammen.

Weiter geht’s bergauf durch den lichten Lärchenwald, der bei Nebel richtig mystisch wirken kann. Ein echter Hexenwald eben… Na ja, nach ungefähr 30 Minuten kommt man endgültig ins freie und die ersten Blicke ins Kar werden frei. Zu unserer Linken die Watzmannfrau und geradeaus die graue Karstwelt des Watzmannkars. Der Pfad schlängelt sich entlang der Westwand der Watzmannfrau hinauf und langsam lassen wir alle grünen Wiesenreste hinter uns und stürzen uns in die Felswüste. Zwar wird der Pfad schmäler und etwas undeutlich, allerdings kann man sich auch anhand einiger Steindauben orientieren, die immer wieder entlang des Weges zu finden sind. Mal geht es etwas steiler, mal etwas flacher hinauf und mitunter kann der Weg auch etwas mit Kies bedeckt sein und deshalb anstrengend werden. Für den Aufstieg auf das dritte Kind empfiehlt es sich, sich links zu halten und unter den Wänden der Watzmannfrau und des ersten und zweiten Kindes zu wandern.

Erreicht man die schräg geneigte Gipfelplatte des dritten Kindes, sind es nur noch ein paar Minuten bis zum Gipfel. Kurz vor Erreichen des obersten Punktes passiert man noch eine Doline, welche aber vor Jahren von der Bergwacht aus Sicherheitsgründen verschlossen wurde (besonders im Winter ist die Gefahr nicht sofort zu erkennen). Wir schreiten an der Doline vorüber und begeben uns zum höchsten Punkt mit dem massiven Holzkreuz. Achtung: direkt hinter dem Gipfel beginnen die Abbrüche, die gute 1000 Meter in die tiefe Gehen. Stolpern wäre hier oben nicht ganz so gut. Die Gipfelschau reicht von Hohem Göll über das Hagengebirge (besonders markant Kahlersberg und die Teufelshörner direkt über dem Obersee) bis zum Steinernen Meer. Und zur Rechten überragt der Watzmann mit seiner gewaltigen Ostwand alles Andere. Zeit für eine lange und verdiente Gipfelrast auf 2232 Metern.

Nach einer ausgiebigen Brotzeit muss langsam an den Abstieg gedacht werden, denn einige Stunden müssen dafür noch eingerechnet werden. Damit der Abstieg interessant bleibt, kann man sich dafür unterhalb der Wände des Vierten Kindes bewegen, allerdings ist dieser Abstieg etwas heikel, da er aus viel Geröll und Griess besteht. Dafür sind die Blicke zur sogenannten Watzmannscharte umso imposanter. Am unteren Ende des Vierten Kindes kann man ein „Marterl“ entdecken, das an ein tragisches Skitourenunglück erinnert (das Gipfelkreuz wurde übrigens aus dem selben Anlass auf dem Gipfel aufgestellt). Nach kurzem Gedenken steigen wir weiter mitten durchs Kar ab und halten uns dabei an die Steindauben. Nach einiger Zeit erreichen wir wieder die grünen Flächen und bald darauf den Falzsteig im Lärchenwald. Für den Abstieg wählen wir nun den Weg über die Kührointalm, da der Abstieg durch den Wald über Stock und Stein nach so langer Gehzeit etwas schwerfallen würde. Also ab auf die Autobahn und zur Kührointalm. Von der Kührointalm ist es noch eine gute Stunde bis zum Parkplatz Hammerstiel, also bietet sich eine kleine Rast oder Trinkpause an.

Nach rund zehn Stunden Gehzeit (fünfeinhalb Stunden Aufstieg und viereinhalb Abstieg) ist das Auto wieder in Sicht und eine der abwechslungsreichsten Touren in den Berchtesgadener Alpen geschafft. Grundvorraussetzung für dies Wanderung ist natürlich eine gute Ausdauer und im Kar kann Trittsicherheit nicht schaden. Allerdings bewegt man sich zu keiner Zeit im ausgesetzten Gelände oder muss gar die Hände zum Aufstieg zu Hilfe nehmen. Weiteres Interessantes Detail ist, dass fast der komplette Aufstieg am Morgen im Schatten verläuft. Steigt man dann gegen Mittag ab, beginnt die Sonne die Gipfel zu überschreiten und man hat die Sonne beim hinabsteigen im Rücken. Viel zu Trinken, Sonnenschutz und ein Abmarsch im Morgengrauen sind für diese Tour entscheidend.

Hier noch der Höhenverlauf der Wanderung und ein paar Bilder:

2 Kommentare

  1. Monika sagt

    Grüß Gott,
    ja, wirklich eine tolle Tour – ich habe das 3. Watzmannkind auf einem Foto in der Zeitschrift berge vor Jahren entdeckt – und wollte da rauf. Alles mit in den Uralub genommen, den damaligen Pensionswirt gefragt, ob ich da als Flachlandtirolerin (Bremerin) hin kann. Da der schon Touren mit mir gemacht hat, meinte er nur, kein Problem für Dich. Das 3. Watzmannkind war für mich in den Berchtesgadener Alpen mit die schönste Tour – und diese Einsamkeit durch das Kar – alles einfach unbeschreiblich und sie wird mir immer in guter Erinnerung bleiben – vielleicht mache ich die Tour mal wieder….auch nur um die Ruhe und das „Einsein“ mit der gewaltigen Natur zu spüren!

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